Im Dämmerschein der Zukunft

Vorwort des Autors: 

In einem früheren Buch, betitelt Der Herr der Welt, versuchte ich die Art der Entwicklung zu zeichnen, die in hundert Jahren folgerichtig zu erwarten wäre, wenn die gegenwärtige Richtung des sogenannten `modernen Gedankens´ auf die Dauer eingehalten würde, und man hat mir wiederholt gesagt, dass die Wirkung des Buches äußerst niederdrückend und entmutigend für optimistische Christen sei. In diesem gegenwärtigen Buch versuche ich — ebenfalls in Parabelform — nicht etwa zurückzunehmen, was ich in dem früheren Buch gesagt, sondern anderen Richtungslinien nachzugehen und — wieder in Parabelform — die Art der Entwicklung in etwa sechzig Jahren zu zeichnen, wenn, wie man vernünftiger Weise erwarten könnte, die entgegengesetzte Richtung eingeschlagen wird und der alte Gedanke weiter wirkt, welcher sich Jahrhunderte hindurch bewährt hat und in sehr bemerkenswerter Art durch Personen `wiederentdeckt´ worden ist, die moderner sind als die Modernisten. Die glaubenslosen Ethiker sagen uns, dass wir in sehr kritischen Zeiten leben, womit sie sagen wollen, dass sie nicht sicher sind, ob ihre eigene Partei siegen wird oder nicht. In diesem Sinn kann jedoch keine Zeit für Katholiken eine kritische sein, weil Katholiken niemals einen Zweifel darüber hegen, ob ihre Partei siegen wird oder nicht. Aber von einem anderen Standpunkt aus gesehen ist jede Periode eine kritische Periode, da jede Periode den Widerstreit zweier unversöhnlicher Gewalten in sich trägt. Um die Art der Wirkungen darzulegen, welche, wie mir schien, jede dieser Richtungen verursacht, wenn die andere, für eine Weile wenigstens, zur Herrschaft kommt, habe ich diese beiden Bücher geschrieben.

Zum Schluss möchte ich, wenn es mir gestattet ist, die Aufmerksamkeit auf meine Behandlung des Themas der `religiösen Verfolgung´ lenken, da ich im Ernst glaube, dass in dieser Darstellung die Erklärung für solche Phänomene zu finden ist, wie Maria Tudors Regierung in England und die spanische Inquisition. In jedem solchen praktischen Fall war, wie ich glaube, der Staat und nicht die Kirche verantwortlich für eine so unselige Politik, und diese Politik richtete sich nicht gegen die Nichtorthodoxie als solche, sondern gegen jene Nichtorthodoxie, die unter den damaligen Verhältnissen für eine Bedrohung der bürgerlichen Gesellschaftsordnung galt und mehr als Verrat denn als Ketzerei bestraft wurde.

Robert Hugh Benson.

Rom, in der Fastenzeit 1911

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